Natürliche Empfängnisregelung

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I. Sexualität: eine Frage des Menschenbildes

Christen glauben, dass die menschliche Sexualität ein Geschenk des Schöpfers ist. Deshalb lehrt die Kirche: "Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, muss seine Geschlechtlichkeit anerkennen und annehmen." (Katechismus der Katholischen Kirche 2333). Diese Geschlechtlichkeit sei "auf die eheliche Liebe von Mann und Frau hingeordnet" (KKK 2360). Im Gegensatz etwa zum Manichäismus, zu manchen Strömungen der Gnosis oder des Buddhismus lehrt das Christentum nicht die Überwindung der Körperlichkeit, sondern deren Annahme und ihren rechten, menschenwürdigen und vernunftgemäßen Gebrauch. 

"Es ist eine Illusion zu meinen, man könne eine echte Kultur des menschlichen Lebens aufbauen, wenn man den jungen Menschen nicht hilft, die Sexualität, die Liebe und das ganze Sein in ihrer wahren Bedeutung und in ihrer tiefen Wechselbeziehung zu begreifen und zu leben. Die Geschlechtlichkeit, ein Reichtum der ganzen Person, zeigt ihre tiefste Bedeutung darin, dass sie die Person zur Hingabe ihrer selbst in der Liebe führt." (Enzyklika „Evangelium vitae“ Nr. 97)


II. NER ist mehr als eine Methode: eine Lebenshaltung

Der Arzt Prof. Dr. Josef Rötzer entwickelte die "Natürliche Empfängnisregelung" (NER) als eine auf den natürlichen Zyklus der Frau Rücksicht nehmende Methode der Empfängnisregelung bzw. Familienplanung. NER will aber nicht nur eine Methode sein, sondern zu einer partnerschaftlichen Lebensweise führen.

Im Gegensatz zu den Verhütungsmitteln setzt diese Lebenshaltung eine Dauerhaftigkeit in der Partnerschaft und gegenseitige Rücksichtnahme voraus. Damit wächst das Verständnis des Mannes für die Frau, aber auch beider Verständnis für eine verantwortete Elternschaft, weil Frau und Mann gemeinsam Verantwortung übernehmen. NER beruht auf der Bereitschaft zur periodischen Enthaltsamkeit, und damit auf einem Menschenbild, das die Beherrschung des Sexualtriebs für lebbar, ja für menschenwürdig hält. Umgekehrt ermöglicht NER auch, den optimalen Zeitpunkt für eine Empfängnis zu finden. NER vermeidet jede gesundheitsgefährdende Manipulation des weiblichen Organismus. 


II. Wie NER funktioniert

NER beruht auf der wissenschaftlichen Tatsache, dass im Zyklus der Frau die meisten Tage unfruchtbar sind, und basiert auf einer sympto-thermalen Methode. Berücksichtigung finden die Messung der Aufwachtemperatur, wobei die Frau unmittelbar nach dem Aufwachen die Körperkerntemperatur rektal oder vaginal mit einem konventionellen Thermometer misst, sowie der Fruchtbarkeitsschleim (Zervixschleim), der an den fruchtbaren Tagen im Gebärmutterhalskanal gebildet und im Scheidenausgangsbereich wahrgenommen wird. Nach bestimmten Regeln werden Temperatur und Schleimbeobachtung ausgewertet und in eigens dazu entwickelten Tabellen registriert. 

Diese Tabellen und alle nötigen Hinweise für eine präzise Anwendung und Auswertung finden sich im Standardwerk von Prof. Dr. Josef Rötzer "Natürliche Empfängnisregelung". Bei einer korrekten Anwendung ist diese Methode sicher. Sie kann auch von Frauen mit unregelmäßigen Zyklen, während der Stillzeit und in den Wechseljahren praktiziert werden.

Zahlreiche Beratungsstellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind über www.iner.org/beratungen/beratung.shtml im Internet zu finden.

IV. Ausgewählte Literatur:

  • Papst Paul VI., Enzyklika "Humanae vitae" über die rechte Ordnung der Weitergabe menschlichen Lebens, 1968.
  • Papst Johannes Paul II., Enzyklika "Evangelium vitae" über den Wert und die Unantastbarkeit des menschlichen Lebens, 1995.
  • Josef Rötzer, "Natürliche Empfängnisregelung", Herder Verlag, Freiburg 2005 (29., neu bearbeitete Auflage).
  • Andreas Laun, "Liebe und Partnerschaft", Franz-Sales-Verlag, Eichstätt 2000 (6., neu bearbeitete und erweiterte Auflage).
  • Karol Wojtyla (Johannes Paul II.), "Liebe und Verantwortung", Kösel Verlag, München 1979.
  • Christopher West, "Theologie des Leibes für Anfänger. Einführung in die sexuelle Revolution nach Papst Johannes Paul II.", Kisslegg 2006 (2.Auflage).